Der Artemistempel: ein antikes Weltwunder heute besuchen

Was vom Artemistempel in Ephesos bleibt: eine wieder aufgerichtete Säule, Geschichte, Fototipps und wie Sie einen kurzen Halt in Selçuk einplanen.

Der Artemistempel: ein antikes Weltwunder heute besuchen
Foto: Mehmet DEMİR / Pexels

Veröffentlicht am 25. Oktober 2026

Der Artemistempel zählte zu den Sieben Weltwundern der Antike und stand vor den Toren der Stadt Ephesos. Heute ist davon nur noch sehr wenig erhalten: eine einzelne, wieder aufgerichtete Säule auf einem stillen, oft sumpfigen Feld am Rand von Selçuk. Im Folgenden erklären wir, was Sie vor Ort tatsächlich sehen, warum der Ort noch immer bedeutsam ist und wie Sie einen kurzen Abstecher in Ihren Ephesos-Tag einbauen.

Warum der Artemistempel so berühmt war

Artemis war die große Göttin von Ephesos, und ihr Heiligtum gehörte zu den wichtigsten religiösen Stätten der griechischen Welt. Pilger, Händler und Herrscher brachten ihrem Tempel Opfergaben dar. Zugleich diente das Heiligtum als Zufluchtsort und als eine Art Schatzhaus.

Der Tempel, der es auf die antiken Listen der Weltwunder schaffte, war gewaltig. Er war aus Marmor errichtet und von einem regelrechten Wald hoher Säulen umgeben.

Antike Autoren beschrieben ihn voller Bewunderung. Der Dichter Antipater von Sidon, von dem eine der bekanntesten Listen der Sieben Weltwunder stammt, schrieb, er stelle alle anderen in den Schatten.

Ein mehrfach neu errichteter Tempel

Den einen Artemistempel gab es nicht. Der Ort war über Jahrhunderte heilig, und der Tempel wurde an derselben Stelle mehrfach errichtet und neu aufgebaut:

  • Ältere Heiligtümer standen hier lange vor den berühmten Marmortempeln.
  • Der große archaische Tempel entstand im 6. Jahrhundert v. Chr., teilweise finanziert von König Krösus von Lydien.
  • Der Brand von 356 v. Chr. zerstörte ihn. Ein Mann namens Herostratos hatte das Feuer absichtlich gelegt.
  • Der spätere Tempel wurde nach dem Brand in ebenso großartigen Dimensionen wieder aufgebaut.

Herostratos soll das Feuer gelegt haben, um seinen Namen unsterblich zu machen. Die Epheser versuchten zwar, jede Erwähnung seines Namens zu verbieten, doch in der Geschichtsschreibung hat er trotzdem überdauert. Der antiken Überlieferung nach brannte der Tempel in derselben Nacht, in der Alexander der Große geboren wurde.

Der antike Geograf Strabon berichtet, Alexander habe später angeboten, den Wiederaufbau zu bezahlen – und die Epheser hätten höflich abgelehnt.

Bei Raubzügen im 3. Jahrhundert n. Chr. wurde der wiederaufgebaute Tempel beschädigt. Mit der Ausbreitung des Christentums und dem Niedergang der alten Kulte verfiel er. Seine Steine wurden abgetragen und für andere Bauten verwendet, und Flussschlamm und Sumpfland bedeckten nach und nach, was noch übrig war.

Die Wiederentdeckung

Jahrhundertelang wusste niemand genau, wo der Tempel gestanden hatte. Der englische Ingenieur John Turtle Wood suchte jahrelang danach und stieß 1869 schließlich auf die Stätte.

Viele der schönsten Skulpturenfragmente des Tempels befinden sich heute im British Museum in London und nicht in der Türkei. Einige Funde aus dem weiteren Umfeld des Artemiskults, darunter die berühmten Statuen der Göttin, sind im Ephesos-Museum in Selçuk zu sehen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Ephesos-Museum in Selçuk.

Was Sie heute sehen

Der Artemistempel ist heute im Wesentlichen ein offenes Feld mit verstreuten Steinblöcken und einer einzelnen hohen Säule. Die Säule wurde aus erhaltenen Fragmenten wieder zusammengesetzt, um eine Vorstellung von der ursprünglichen Höhe zu vermitteln. In ihrer vollständigen Originalform steht sie nicht.

Das Gelände liegt tief und ist oft feucht. In den kühleren, regnerischen Monaten können Teile der Stätte unter Wasser stehen, und rund um die Fundamente tummeln sich Frösche zwischen dem Schilf.

Im Frühling und Sommer nisten oft Störche oben auf der Säule.

Was den Besuch lohnenswert macht, sind die Umgebung und die Geschichte. Vom Feld aus blicken Sie hinüber zum Ayasuluk-Hügel mit der Festung auf dem Gipfel, den Resten der Johannesbasilika an seinen Hängen und der İsa-Bey-Moschee an seinem Fuß. Ein antikes heidnisches Heiligtum, eine große frühchristliche Kirche und eine Moschee aus dem 14. Jahrhundert: Schichten der Geschichte in einem einzigen Blick.

Fototipp

Das klassische Motiv zeigt die einsame Säule im Vordergrund und dahinter den Ayasuluk-Hügel mit seiner Burg. Das Licht am Morgen und am späten Nachmittag eignet sich meist gut.

Wenn Störche nisten, ist ein Teleobjektiv oder ein Handy mit gutem Zoom hilfreich, denn an die Säule selbst kommen Sie nicht nah heran.

Lohnt sich ein Halt?

Ja, als kurzer Zwischenstopp – aber nicht als eigenständiges Ausflugsziel. Etwa 15–20 Minuten genügen, um zum Aussichtspunkt zu gehen, die Infotafeln zu lesen, Fotos zu machen und sich die Ausmaße des ursprünglichen Bauwerks vorzustellen.

Ein Halt lohnt sich, wenn

  • Sie sich für die Sieben Weltwunder interessieren und dort stehen möchten, wo eines von ihnen stand;
  • Sie ohnehin Ephesos oder Selçuk besuchen, denn die Stätte liegt direkt auf dem Weg;
  • Sie den Besuch mit der nahen Johannesbasilika und der İsa-Bey-Moschee verbinden möchten.

Sie können ihn auslassen, wenn

  • Sie wenig Zeit haben, etwa an einem knapp bemessenen Kreuzfahrttag, und sich auf Ephesos konzentrieren möchten;
  • Sie eindrucksvolle, aufrecht stehende Ruinen wie in Ephesos erwarten.

So bauen Sie den Besuch in Ihren Tag ein

Der Tempel liegt am Rand von Selçuk, nur wenige Autominuten von der antiken Stadt Ephesos entfernt. Wir empfehlen, ihn nach Ephesos zu besuchen, wenn Sie ohnehin durch Selçuk fahren.

Ein möglicher Ablauf

  1. Ihr Fahrer holt Sie an Ihrem Hotel in Kusadasi oder am Kreuzfahrthafen von Kusadasi ab.
  2. Wenn Ihr Paket das Haus der Mutter Maria umfasst, besuchen Sie dieses zuerst (30–60 Minuten).
  3. Sie werden am Oberen Tor von Ephesos abgesetzt und gehen bergab durch die antike Stadt (2–3 Stunden in gemütlichem Tempo).
  4. Ihr Fahrer wartet am Unteren Tor auf Sie.
  5. Artemistempel: etwa 15–20 Minuten.
  6. Johannesbasilika: etwa 30–45 Minuten.
  7. İsa-Bey-Moschee: etwa 15–20 Minuten.
  8. Ephesos-Museum: etwa 1 Stunde.
  9. Rückfahrt nach Kusadasi.

Sie müssen nicht jeden Halt einplanen. Wählen Sie einfach die Stationen, die zu Ihren Interessen und Ihrem Zeitrahmen passen.

Optionale kostenlose Zwischenstopps

In allen unseren Ephesos-Paketen ist der Artemistempel ein optionaler kostenloser Zwischenstopp. Dasselbe gilt für die Johannesbasilika, die İsa-Bey-Moschee und das Ephesos-Museum in Selçuk. Sagen Sie Ihrem Fahrer einfach, wo Sie anhalten möchten.

Unsere Fahrten sind private Transfers im Auto mit Fahrer. Es gibt einen Preis pro Fahrzeug für bis zu 8 Personen; größere Gruppen erhalten ein zweites Fahrzeug.

Es handelt sich um einen reinen Transferservice: Reiseleitung und Eintrittskarten sind nicht inbegriffen. Die Infotafeln vor Ort und ein wenig Lektüre im Vorfeld helfen Ihnen, das Beste aus dem Besuch herauszuholen.

An einem Kreuzfahrttag

Halten Sie sich an eine einfache Faustregel: Bleiben Ihnen bis zur All-aboard-Zeit weniger als etwa sechs Stunden an Land, beschränken Sie sich auf Ephesos. Haben Sie mehr Zeit, ist der Artemistempel der am einfachsten einzuplanende Zusatzstopp.

Unser Ratgeber vom Kreuzfahrthafen Kusadasi nach Ephesos und unser Planer für Kreuzfahrttage helfen Ihnen bei der Tagesplanung. Wenn Sie länger in der Gegend bleiben, werfen Sie einen Blick in unseren Ratgeber Kusadasi in 1, 2 oder 3 Tagen.

Kombinieren Sie den Besuch mit der Johannesbasilika

Die Johannesbasilika auf dem Ayasuluk-Hügel ist die ideale Ergänzung zum Artemistempel. Sie liegt nur eine kurze Fahrt entfernt, und von der Basilika aus können Sie hinunter auf das Tempelgelände blicken. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Johannesbasilika in Selçuk.

Praktische Tipps

  • Öffnungszeiten: Einlassregelungen und Öffnungszeiten ändern sich, informieren Sie sich daher vor Ihrem Besuch auf der offiziellen Website der Museumsverwaltung.
  • Schuhwerk: Nach Regen können die Wege matschig sein – tragen Sie also bequeme Schuhe, die schmutzig werden dürfen.
  • Sonne und Wasser: Im Sommer gibt es kaum Schatten, denken Sie daher an Kopfbedeckung und Wasser.
  • Händler vor Ort: In der Nähe des Eingangs werden Ihnen womöglich Souvenirs oder „alte Münzen” angeboten. Antike Fundstücke dürfen weder legal gekauft noch ausgeführt werden – seien Sie bei solchen Angeboten also vorsichtig.

Häufig gestellte Fragen

Was ist vom Artemistempel noch übrig?

Fundamente, verstreute Marmorblöcke und eine Säule, die aus originalen Fragmenten wieder zusammengesetzt wurde. Viele der schönsten Skulpturen befinden sich im British Museum in London.

Wie viel Zeit brauche ich vor Ort?

Etwa 15–20 Minuten reichen, um sich umzusehen, die Infotafeln zu lesen und Fotos zu machen.

Ist der Artemistempel in Ihren Ephesos-Touren enthalten?

Ja, als optionaler kostenloser Zwischenstopp in allen unseren Ephesos-Paketen. Sagen Sie Ihrem Fahrer einfach Bescheid, dass Sie dort anhalten möchten. Eintrittskarten und Reiseleitung sind nicht inbegriffen.

Sehe ich Störche auf der Säule?

Gut möglich. Im Frühling und Sommer nisten oft Störche oben auf der Säule, das hängt aber von der Jahreszeit und den Vögeln selbst ab.

Kann ich den Artemistempel an einem Kreuzfahrttag besuchen?

Ja, wenn Sie genug Zeit an Land haben. Bleiben Ihnen bis zur All-aboard-Zeit weniger als etwa sechs Stunden an Land, beschränken Sie sich auf Ephesos. Die Liegezeit Ihres Schiffes finden Sie in unserem Kreuzfahrt-Fahrplan für Kusadasi.

Wenn Sie den Artemistempel in Ihren Ephesos-Tag einbauen möchten, sehen Sie sich unseren privaten Ephesos-Transfer ab Kusadasi an. Eine kostenlose Stornierung ist bis 24 Stunden vorher möglich, und Sie können bar oder mit Karte bezahlen.

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